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Marktkennzahlen

Das Volumen des Energiedienstleistungsmarktes über alle Segmente erreichte 2015 fast zehn Milliarden Euro. Wenn der Umsatz mit Energieliefercontracting, der auch die Kosten der Energiebeschaffung enthält, herausgerechnet wird, ergibt sich immer noch ein Marktvolumen von fünf Milliarden Euro. Es wird erwartet, dass der Markt in den kommenden drei Jahren weiter wächst.

Kind steht einem Fernrohr auf einer Wiese Quelle: © Fotolia.com/pete pahham

Ein funktionierender Markt für Energiedienstleistungen (EDL), verstanden als Energieaudits, Energieeinspar-Contracting und andere Energieeffizienzmaßnahmen, stellt eine Voraussetzung für die Erreichung der nationalen und europäischen Energieeffizienzziele dar.

Im Zusammenhang mit der Beobachtung des Marktes wurde durch die BfEE 2013 eine erste Marktstudie zum Energiedienstleistungsmarkt veröffentlicht. Diese erste Marktstudie bestätigte, dass es in Deutschland bereits einen vergleichsweise weit entwickelten Markt für EDL gibt. Er weist eine große Breite und Vielzahl von Marktakteuren und Produkten auf.

Die Unternehmensgröße der Anbieter variiert zwischen selbständigen Ein-Mann-Büros und Konzernen mit mehreren Tausend Mitarbeitern. Ähnlich divers stellen sich auch die Nachfrager von EDL dar. Die angebotenen Produkte sind zu großen Teilen nicht eindeutig abgrenzbar und damit nur eingeschränkt vergleichbar. Die Leistungen variieren vom einfachen Online-Check bis hin zu komplexen Bündel-Produkten mit Abdeckung weitreichender technischer und kaufmännischer Risiken (z. B. Energieeinspar-Contracting).

Der Begriff Energiedienstleistung ist nicht einheitlich definiert und wird teilweise unterschiedlich verwendet. Für eine genaue Analyse und Abgrenzung des Marktes für EDL war es zielführend, den Untersuchungsrahmen grundsätzlich weit zu fassen, aber auf ausgewählte Produkte zu begrenzen.

Marktstruktur

Der Markt lässt sich in vier Dienstleistungssegmente einteilen, nämlich Information, Beratung, Energiemanagement und Contracting.

Informationen zu Energieeffizienz zielen auf die Verbesserung der Wissensgrundlage zur Erhöhung der Energieeffizienz ab. Sie können zwar interaktiv sein, sind jedoch im Unterschied zur Energieberatung durch das Fehlen eines wechselseitigen Kommunikationsprozesses von Mensch zu Mensch gekennzeichnet.

Energieberatung ist eine individuelle Kommunikation zwischen einem Beratenen und Berater zu konkreten Fragen um die Steigerung der Energieeffizienz.

Energiemanagement im weiteren Sinne wird vom VDI definiert als „vorausschauende, organisierte und systematisierte Koordination von Beschaffung, Wandlung, Verteilung und Nutzung von Energie zur Deckung der Anforderungen unter Berücksichtigung ökologischer und ökonomischer Zielsetzungen“ (VDI 4602). Es umfasst regelmäßige „Plan, Do, Check, Act“ (PDCA) Zyklen. Energiemanagement strukturiert alle Aktivitäten im Bereich der Energieversorgung und -anwendung und bildet eine Entscheidungsgrundlage für die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen. Allerdings ist mit dem Durchlaufen eines PDCA-Zyklus nicht notwendigerweise eine Maßnahmenumsetzung verbunden.

Der Markt wird derzeit stark durch die fortschreitende Digitalisierung geprägt, die dazu führt, dass zunehmend auch IT-Unternehmen, die z. B. Software für die Energieverbrauchsvisualisierung und Analyse bereitstellen, in den Markt eintreten. Auch der Trend zur Dezentralisierung, der sich z. B. in der verstärkten Eigenerzeugung von Strom äußert, hat Auswirkungen auf den EDL-Markt, da er mit einer zunehmenden Sensibilisierung der Verbraucher für Energiethemen einhergeht. Vielfach werden beispielsweise auch Aspekte wie Energieeffizienz und flexibler Energieverbrauch in einzelnen Produkten mit dem Ziel einer umfassenden Optimierung des Energieverbrauchs und der Energiekosten kombiniert.

Energie-Contracting ist ein umfassendes Energiedienstleistungsprodukt um die Energie- und/oder Energiekosteneffizienz von Gebäuden oder Prozessen nachhaltig zu verbessern.

Informationsangebote zu Energieeffizienz

Informationsangebote zu Energieeffizienz werden vielfach kostenlos angeboten. Eine Ausnahme hierzu bilden Gebäudeenergieausweise. Nach Angabe der EnEV-Registrierungsstelle im DIBt wurden im Jahr 2015 insgesamt 253.974 registrierte Energiebedarfsausweise ausgestellt, davon etwa 240.000 für Wohngebäude und 14.000 für Nichtwohngebäude. Zum Vergleich sei erwähnt, dass im gleichen Jahr etwa 185.000 Energieverbrauchsausweise ausgestellt wurden (etwa 166.000 für Wohngebäude und 19.000 für Nichtwohngebäude). Mit Energiebedarfsausweisen wurde 2015 in Deutschland ein Umsatz von geschätzt 135 Millionen Euro erzielt, darunter rund 22 Millionen Euro mit Energiebedarfsausweisen für Nichtwohngebäude. Weitere Informationen finden Sie im Bereich Informationsangebote zu Energieeffizienz.

Energieberatung

Energieberatung und Energieberater stellen keine exakt abgegrenzten Begriffe dar. Aus diesem Grund lässt sich die Anzahl der Anbieter von Energieberatungen in Deutschland nur ungefähr beziffern. Für das Jahr 2015 wird sehr konservativ geschätzt, dass in Deutschland zwischen 12.500 und 13.500 Energieberater auf dem Markt aktiv waren.

Diese Berater führten 2015 rund 375.000 Energieberatungen durch. Hinzu kommen Beratungsleistungen im Zusammenhang mit der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen. Basierend auf umfangreichen Befragungen wird geschätzt, dass der Energieberatungsmarkt in Deutschland im Jahr 2015 ein Marktvolumen zwischen 450 und 486 Millionen Euro erreichte. Weitere Informationen finden Sie im Bereich Energieberatung.

Energiemanagement

In Deutschland ist das Angebot an Energieberatungsleistungen ausreichend. Insbesondere die Anzahl der Auditoren und qualifizierter Berater für gewerbliche Zwecke ist als angemessen anzusehen. Es ist davon auszugehen, dass der Markt zukünftig weiter wächst.

Die genaue Anzahl der Akteure, die Dienstleistungen mit Bezug zum Energiemanagement anbieten, ist schwer zu überblicken, da sich das Segment extrem dynamisch entwickelt und die Vielfalt der Dienstleistungsprodukte und -anbieter schnell wächst. Schätzungsweise haben ca. 4.000 Anbieter Dienstleistungen im Zusammenhang mit Energiemanagement (z.B. Beratungen zu Energiemanagementsystemen, ferngesteuertes Energiecontrolling, die Einrichtung von Software zum Energiemonitoring etc.) im Portfolio. Insbesondere Technologieanbieter, deren Anzahl jedoch derzeit kaum quantifizierbar ist, steigen in den Markt ein.

Hochgerechnet auf die Anbieterzahlen ergeben sich für 2015 insgesamt etwa 740 Erstzertifizierungen, knapp 200 Re-Zertifizierungen und 6.000 Beratungen zur Einführung eines Energiemanagementsystems sowie mehrere Zehntausend vertriebene Softwarelizenzen. Hinzu kommen die durch Energieberater durchgeführten Dienstleistungen. Gemäß den Ergebnissen der Beraterbefragung ergeben sich hier hochgerechnet zusätzlich 1.000 Beratungsleistungen im Zusammenhang mit Erstzertifizierungen und 600 im Zusammenhang mit Re-Zertifizierungen. Die Anzahl der ISO 50001 zertifizierten Unternehmen hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren aufgrund von gesetzlich verankerten Anreizen (EEG-Umlage-Entlastung, Spitzensteuerausgleich, Energieauditverpflichtung) deutlich erhöht. In Summe ergibt sich für die dargestellten Dienstleistungen ein Marktvolumen von ca. 200 Mio. Euro. Weitere Informationen finden Sie im Bereich Energiemanagement.

Contracting

Die Gesamtzahl der Contracting-Anbieter in Deutschland lag im Jahr 2015 etwa bei 600.

Die überwiegende Mehrheit (schätzungsweise über 90 %) dieser Anbieter bietet vornehmlich Energieliefer-Contracting an. Demgegenüber ist die Zahl der bundesweit tätigen Unternehmen, die vollumfängliches Energiespar-Contracting anbieten mit etwa 10 bis 15 relativ klein. Von diesen Unternehmen könnten auch nur fünf in dem Sinne als „aktiv“ bezeichnet werden, als dass sie Neuverträge abschließen. Die restlichen Anbieter bewirtschaften zum Teil noch bestehende Verträge oder bieten Energiespar-Contracting zwar formal an, führen derzeit aber keine Projekte durch. Einige Anbieter haben sich in den letzten Jahren auch vollständig vom Markt zurückgezogen. Allerdings wächst die Zahl der Unternehmen, die spezialisierte Contracting Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz anbieten, z. B. bezogen auf Beleuchtung.

Insgesamt ergibt sich für 2015 ein Marktvolumen von schätzungsweise 7,2 bis 8,4 Milliarden Euro. Diese Zahlen sind im Vergleich zu den anderen betrachteten Marktsegmenten vergleichsweise groß. Hintergrund ist, dass der Contracting-Markt überwiegend durch Energieliefercontracting-Projekte dominiert wird, in dessen Rahmen ein Großteil der erwirtschafteten Umsätze auf den Energieeinkauf entfällt. Eine Ausweisung nur der Umsätze, die auf Dienstleistungskomponenten entfallen, wäre vor diesem Hintergrund sachgerechter, ist aus methodischen Gründen aber kaum möglich, da die Contractoren in der Regel eine Mischkalkulation ansetzen und beispielsweise Einkaufsvorteile bei der Energiebeschaffung in die Dienstleistung einpreisen. In den nächsten Jahren wird der Markt für Contracting insgesamt weiter wachsen. Allerdings hat er, zumindest was umfangreichere Dienstleistungen angeht, deutlich an Dynamik eingebüßt. Weitere Informationen finden Sie im Bereich Contracting.

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